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Von Pit Gottschalk

SC Freiburg: Der unerklärbare Verein ist Erster

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Pit Gottschalk
Pit Gottschalk
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Als ich am Donnerstag mit Malte Asmus den Fever Pit'ch Podcast aufnahm, redete mir unser Gast Sebastian Fiebrig eindringlich ins Gewissen. Beim Sport1 Tippspiel sollte ich Zuversicht zeigen, dass Union Berlin einen Punkt gegen die Bayern holt. Er, Publisher beim Union-Fanblog Textilvergehen, nannte sogar das zu erwartende Ergebnis: ein 1:1. Alles nachzuhören im erwähnten Fever Pit'ch Podcast, den ich hier im Newsletter am Freitag veröffentlicht habe.
Nun, was soll ich sagen, nachdem das Spitzenspiel der Bundesliga tatsächlich am Samstagnachmittag 1:1 ausgegangen ist? Mit Schlusspfiff äußerte ich meine größte Bewunderung für die seherischen Fähigkeiten von Sebastian Fiebrig und schrieb ihm bei Twitter: “Ich verneige mich vor dir.” Mir brachte seine Empfehlung Punkte beim Tippspiel ein. Meine größte Sorge ist jetzt, erstens: Wie viel Häme von Malte Asmus erwartet mich im neuen Podcast diese Woche? Und, zweitens: Wer hilft mir beim Tippen?
Einen verregneten Montag wünscht
Euer Pit Gottschalk

Immer wieder sonntags
Borussia Mönchengladbach - FSV Mainz 05 | Bundesliga Tore und Highlights 5. Spieltag | SPORT1
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FC Augsburg - Hertha BSC | Bundesliga Tore und Highlights 5. Spieltag | SPORT1
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SC Freiburg: Der unerklärbare Verein ist Erster
Bayer Leverkusen - SC Freiburg | Bundesliga Tore und Highlights 5. Spieltag | SPORT1
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Von Alex Steudel
Christian Streich hat nach dem Sprung an die Tabellenspitze gesagt, dass ihn der erste Platz “sowas von nicht” interessiert. Das war einerseits vorhersehbar, denn wir alle kennen den Freiburger Trainer inzwischen sehr gut. Und doch ist seine Aussage andererseits aus statistischen Gründen bemerkenswert. In Deutschland gibt es rund 25.000 Fußballtrainer. Und der einzige, den der erste Platz nicht interessiert, ist selbst Erster? Das Leben ist ein Schlag ins Gesicht.
Freiburg steht auf Platz 1.
Für alle, die gerade aus dem Urlaub kommen: Ja, es stimmt. Was ihr bisher verpasst habt: Die Bayern holten aus Versehen Mané, Freiburg hatte schon Grifo. Freiburg hat Sildilla, die Bayern haben Coman. Und Gulde statt Hernandez. Das Leben ist ein Schlag ins Gesicht, wenn man Geld hat und FC Bayern heißt.
Bei der Absprache des heutigen Kolumnenthemas sagte ich zu Pit Gottschalk: Klar, ich muss über den SC Freiburg schreiben, die sind ja Tabellenführer. Ich probier’s. Aber was ich schreiben sollte, das wusste ich nicht. Ich habe schon 100mal versucht, diesen Klub zu erklären - und bin gescheitert.
Die Freiburger Furcht vor dem Absturz
Zum Glück hat das auch sonst noch nie jemand geschafft. Wir reden hier von einer Marktlücke.
Vielleicht ist Understatement der beste Erklärungsansatz. Streich geht voran, indem er nicht vorangeht. Der Mann treibt seine Spieler von Erfolg zu Erfolg, indem er keinen Erfolg von ihnen erwartet. Man nennt das übrigens das umgekehrte HSV-Prinzip (alles erwarten, nichts erreichen).
Noch ein Erklärungsansatz: Streich kann vermutlich nicht anders, er ist Badener. Die Badener leben seit Urzeiten im Schatten der Schwaben. Sie haben sich damit arrangiert, dass niemand etwas von ihnen will.
(Anmerkung der Redaktion: Ich bin Schwabe, was zu Unregelmäßigkeiten in diesem Text führen kann.)
Wenn Christian Streich im Supermarkt an der Kasse ganz vorn angekommen ist, sagt er: Nein, dass ich vorn stehe, ist eine Momentaufnahme, ich denke nur von Einkauf zu Einkauf.
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Ihr seht, das ist eine ungewöhnliche Lobeshymne. Normalerweise funktionieren die ja so: Ich suche mir ein paar Argumente zusammen, die für den Erfolg eines Vereins sprechen (in diesem Fall: ländliche Umgebung, die Schwarzwaldluft, ein besonnener Trainer, sehr gute Nachwuchsarbeit, starke Zukäufe), reihe sie aneinander und lege die Argumente, die gegen dauerhaften Erfolg sprechen (in diesem Fall: gegen Dortmund verloren, bisher eher gegen Krisenklubs gewonnen, 2x gegen Bayern kommt noch, weiß doch jeder, dass der Kader am Ende höchstens Sechster wird) für Notzeiten beiseite.
Kurze Zeit später verliert der betreffende Verein seine ersten Spiele, und ich kann die anderen Argumente genüsslich rausholen.
Bei den Freiburgern führt diese Vorgehensweise nie zum Ziel. Sie sind immer anders und meistens besser, als man gerade noch gedacht hat. In den beiden letzten Jahren entstand daraus folgende Aufwärtsbewegung: 2021 Platz zehn, 2022 Platz sechs. Und jetzt: Eins.
Können die Freiburger 2023 Meister werden? Ich glaube nicht. Aber sehen möchte ich schon gern mal, wie DFL-Chefin Donata Hopfen am 34. Spieltag minutenlang versucht, dem ständig wegrennenden Streich die Schale in die Hand zu drücken.
Steudel-Kolumnen gibt’s auch als Buch – der Titel: “UND AM ENDE GEWINNEN IMMER DIE BAYERN”, 268 Seiten. Hier bestellen!
Heute im Fernsehen
Der TV-Überblick
Der TV-Überblick
21 Uhr, SPORT1: Rudi Brückner - Der Talk am Montag
++ DFB-Pokal aktuell ++
Bayern nach Augsburg und Dortmund nach Hannover
Kaspakram
Der Fußballgott scheint sich jede Menge Wiedergutmachung für dieses Jahr vorgenommen zu haben. Habe ab sofort Pokalfieber! #h96bvb #dfbpokal #überdortmundfahrenwirnachberlin #230592
Bayern sieglos: Ist das schon Krise?
1. FC Union Berlin - FC Bayern München | Bundesliga Tore und Highlights 5. Spieltag | SPORT1
1. FC Union Berlin - FC Bayern München | Bundesliga Tore und Highlights 5. Spieltag | SPORT1
Von Kerry Hau
„Mein Gefühl ist besser als an jedem Tag der letzten Saison“, schwärmte Julian Nagelsmann nach dem 5:0 gegen Viktoria Köln am Mittwoch – Lob für das “hohe Energie-Level” seiner Spieler inklusive.
Drei Tage später musste der Bayern-Trainer feststellen: “Wir waren heute nicht auf diesem Level.” Und deshalb reichte es für den Rekordmeister auch nur zu einem 1:1 bei Union Berlin.
Klar, die Köpenicker agierten mit einem taktisch hervorragenden Plan, gesunder Aggressivität und viel Cleverness. Fast jeder „Goliath“ tut sich an der Alten Försterei schwer.
Die Bayern aber hatten sich ihr zweites Liga-Remis in Folge in erster Linie selbst zuzuschreiben. Was nicht etwa dem Fehlen einer echten Neun beziehungsweise 40-Tore-Mann Robert Lewandowski geschuldet war, sondern vielmehr dem Hang dazu, komplizierte statt einfache Dinge zu machen. Nagelsmann sprach von einem „Konzentrationseinbruch“, sein Team sei speziell im letzten Drittel „zu schlampig“ zu Werke gegangen.
Beispielhaft der Auftritt von Kingsley Coman. Der Franzose suchte fast ausschließlich das Eins-gegen-Eins anstatt seine Nebenleute zu suchen.
Kurz vor der Pause hinterlief Jamal Musiala ihn im Halbraum mustergültig, doch Coman ging lieber ins Dribbling anstatt seinen Kollegen zu bedienen – Musiala wäre allein auf Union-Keeper Frederik Rönnow zugelaufen, es hätte kurze Zeit später womöglich 2:1 aus Bayern-Sicht gestanden, doch der Angriff verpuffte, weil Coman hängenblieb.
Was erlauben Union
Bei Union sind alle wichtig
Nach dem Seitenwechsel folgten gleich mehrere solcher Ego-Szenen, die gar nicht erst klare Torchancen ermöglichten. Alphonso Davies etwa schlug bei einer Überzahl-Situation lieber noch einen am Ende misslungenen Haken anstatt den völlig blanken Leroy Sané anzuspielen. Der regte sich zu Recht darüber auf.
Die Bayern machen es sich zu kompliziert! Kein neues Phänomen, denkt man vor allem an das Champions-League-Viertelfinale gegen den FC Villarreal zurück, als neben der Defensive auch die Offensive versagte, weil Pass- und Positionsspiel nicht stimmten – mit Lewandowski im Team wohlgemerkt.
Viele umständliche, verschnörkelte, schlichtweg nicht zielführende Angriffe – darüber wird Nagelsmann mit seinen Spielern sprechen und im Training an Lösungen arbeiten müssen.
Sonst wird noch nach vielen Spielen gegen tief und diszipliniert verteidigende Gegner die nervige Frage – wie (un)berechtigt sie auch sein mag – kommen: „Hat vorne ein echter Neuner wie Lewandowski gefehlt, der den Ball einfach mal über die Linie drückt?“
Erling Haaland kritisiert die Bayern - wegen Lewandowski
Günter Klein
@neubauer_maria Jetzt denke ich an Präsi Wilhelm Neudecker, der 1973 nach dem Europapokalspiel gegen Atvidaberg seinen Manager anwies: „Schwan, kaffa‘S den mit de roten Schuah.“ so kam Conny Torstensson zum FC Bayern.
Leipziger Allerlei
Eintracht Frankfurt - RB Leipzig | Bundesliga Tore und Highlights 5. Spieltag | SPORT1
Eintracht Frankfurt - RB Leipzig | Bundesliga Tore und Highlights 5. Spieltag | SPORT1
Von Marco Krummel
Domenico Tedesco nahm ohne Zaudern das M-Wort in den Mund. Doch nein, er sprach nicht etwa von der Meisterschaft, wie es die Kaderqualität von RB Leipzig vermuten lässt. Stattdessen warf er proaktiv die Mentalitätsfrage auf. Das blamable 0:4 (0:2) bei Eintracht Frankfurt lässt in Sachsen also jene unangenehme Debatte aufflammen, die Kontrahent Borussia Dortmund seit Jahren nicht los wird.
Und das ist brandgefährlich. Tedesco geht mit seiner gnadenlosen öffentlichen Abrechnung ins Risiko. Denn steht die Mentalitätsfrage bei einer Mannschaft mal im Raum, wird man sie kaum wieder los - siehe BVB. 
Es braucht schon besondere Erfolge, um diesen Stempel abzuschütteln. Und doch scheint der Leipziger Trainer die Debatte ganz bewusst aufgemacht zu haben, um seine Spieler wachzuküssen.
"Das war nichts"
Der 36-Jährige will seine Ansammlung Hochtalentierter besonders kitzeln. Denn die bringt in dieser Saison nicht ansatzweise ihre Topleistung auf den Platz. Fünf Punkte aus fünf Spielen sind viel zu wenig für die eigenen Ansprüche, die Spitzengruppe droht bereits früh zu enteilen. Die wehrlose Vorstellung in Frankfurt war eines Pokalsiegers nicht würdig, es mangelte an den Grundtugenden des Fußballs.
Geschäftsführer Oliver Mintzlaff wollte vorsichtshalber keinen Kommentar zur Gruselvorstellung abgeben - es brodelt gewaltig in Leipzig. Nicht nur die Spieler, auch Tedesco ist nun gefordert. 
Mit Schalke stürzte er im zweiten Jahr ab, in Leipzig sollte er schleunigst die Kurve bekommen. Denn schließlich räumte Mintzlaff zuletzt ein, die Entlassung seines Vorgängers Jesse Marsch zu lang hinausgezögert zu haben.
Trotz Bonus als Pokalsieger-Trainer wandelt Tedesco somit auf einem schmalen Grat. Erst recht nach dem Entfachen einer Mentalitätsdebatte.
Marco Krummel ist Redakteur beim Sport-Informationsdienst (SID)
"Die ganzen Talente im Pokal versenkt"
Guido Schäfer
Die Einstellung zum Job und Leidensfähigkeiten waren bisher kein grundlegendes Problem, beides ist beim selbstzufriedenen Blick in den (Rück)Spiegel „nur“ verschütt gegangen. Kann man ausgraben, wenn man, nun ja, will😎 https://t.co/ain0uoLo48
Was sonst noch so los ist
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Alle mal herschauen!
"Das ist schöner als jede Meisterschaft"
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Pit Gottschalk @pitgottschalk

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