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Jetzt offiziell: DFB schafft "Die Mannschaft" ab

Pit Gottschalk
Pit Gottschalk
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Woher sollen wir Sportjournalisten eigentlich wissen, wie das Volk denkt? Mal abgesehen davon, dass niemand für sich in Anspruch nehmen kann, die Volksmeinung zu kennen. (Sonst lägen die Umfragen nicht so häufig daneben.) Als Medienschaffender muss man über Jahre schon ein feines Gefühl dafür entwickeln, wie Themen unter den Nägeln brennen, welche Sichtweisen Aufmerksamkeit verlangen, was “en vogue” ist und was “old fashioned”. Aber Bauchentscheidungen allein helfen nur bedingt.
Seit Jahren vertraue ich Erhebungen, die Professor Alfons Madeja mit seinem Bundesliga-Barometer in täglichen und wöchentlichen Zyklen orchestriert. Sein Team beim SLC Management befragt diejenigen, die Fußballfans sind - in großer Zahl und repräsentativ in Deutschland. Dadurch kann ich mein gutes Gefühl überprüfen und erkennen, woher der Wind weht. Meistens darf ich mich bestätigt fühlen; manchmal muss ich mich korrigieren. Erkenntnisreich ist jede Prozentzahl allemal.
Aufmerksame Fever Pit'ch Leser haben schon bemerkt, dass wir jetzt regelmäßig Umfragen veröffentlichen, die mit Zahlen aus dem genannten Bundesliga-Barometer gefüttert werden. Wir dürfen erfreut mitteilen, dass wir eine Kooperation mit SLC Management eingegangen sind, um einen ungefilterten und womöglich zusätzlichen Blick auf die Sachlage zu liefern. Meinung ist gut. Aber für jede Diskussion über Fußball gilt auch der alte Markwort-Satz: Fakten, Fakten, Fakten - und immer an den Leser denken.
Ich schreibe das jetzt alles, weil der DFB gestern allen Ernstes behauptet hat, dass Umfragen und Analysen seinem Marketing-Konstrukt “Die Mannschaft” einen hohen Bekanntheitsgrad bescheinigt hätten. Ja, was schlecht ist, setzt sich in den Köpfen fest. Und manchmal brauche ich keine Umfragen, sondern einfach nur klaren Menschenverstand, um sagen zu können: Wie gut, dass die Nationalmannschaft nicht mehr “Die Mannschaft” heißt, sondern das hier ist - unsere Nationalmannschaft.
Ein erhobenes Wochenende wünscht
Euer Pit Gottschalk
PS: Wer selbst Mitglied im Umfrage-Panel (so nennt sich das) werden will, kann sich hier registrieren. Professor Madeja betont in seiner Ansprache: “Deine Stimmte zählt und ist wichtiger als jemals zuvor. (…) Durch die Veröffentlichung der Ergebnisse erhält deine Stimme zusammen mit den anderen Teilnehmern eine große Plattform, mit der du den Sport, deine Sportart, deinen Verein und alle, die dazu gehören, unterstützen kannst!”

Jetzt offiziell: DFB schafft "Die Mannschaft" ab
DIE MANNSCHAFT Trailer - DFB Film WM 2014 [HD]
DIE MANNSCHAFT Trailer - DFB Film WM 2014 [HD]
Von Uli Schember
Aus für “Die Mannschaft”, doch es wird ein Abschied auf Raten. Nach sieben Jahren, reichlich öffentlicher Kritik und einer Analyse wird der Deutsche Fußball-Bund (DFB) den Marketingslogan für das Nationalteam nicht mehr verwenden. Allerdings verschwindet der umstrittene Begriff nicht sofort, so wird er etwa bei der Winter-WM in Katar noch auf den Trikots zu sehen sein.
“Umfragen und Analysen haben ergeben, dass der Name ‘Die Mannschaft’ einen hohen Bekanntheitsgrad hat und besonders im Ausland Anerkennung findet. Da steht er für Werte wie Teamgeist und Erfolg”, sagte DFB-Präsident Bernd Neuendorf. Fakt sei “aber auch, dass er in Fankreisen hierzulande mitunter kritisch gesehen und emotional diskutiert wird. Bedeutender als der Name ist aber ohnehin das Auftreten der Nationalmannschaft”, betonte der DFB-Chef.
Ein starkes Signal von DFB-Präsident Neuendorf
Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung trafen die Entscheidung gegen die Marke auf dem DFB-Campus in Frankfurt einstimmig. Seit 2015 wurde sie verwendet, es gab darum immer wieder hitzige Diskussionen, und zuletzt zeichnete sich immer deutlicher ab, dass der polarisierende Claim aus dem Umfeld der DFB-Elf verschwinden wird.
Selbst Oliver Bierhoff hatte zuletzt gesagt, dass er “damit leben” könne, sollte das Votum gegen “Die Mannschaft” ausfallen. Der Geschäftsführer Nationalmannschaften und Akademie gilt als Schöpfer des auf dem Höhepunkt der Weltmeister-Euphorie eingeführten Slogans, mit dem viele Fans nie warm wurden.
Grundlage der Entscheidung war eine Analyse, “die unter anderem auf Auswertungen früherer und aktueller repräsentativer Umfragen sowie ausgewählten Experten-Interviews basierte”, teilte der DFB mit. Die Ergebnisse hätten unter anderem “steigende Sympathiewerte für ‘Die Mannschaft’ belegt”. Allerdings habe sich “vor allem mit Blick auf die weitere Nutzung des Namens kein einheitliches Bild” ergeben.
Nationalmannschaft erhält eigene Amazon-Doku
Die Kritiker sind teils prominent. “Dieser Begriff ist mir zu abgehoben”, sagte etwa DFB-Vize Hans-Joachim Watzke, er sei “respektlos gegenüber allen anderen erfolgreichen Mannschaften”. Rekordnationalspieler Lothar Matthäus meinte: “‘Die Mannschaft’ muss weg!”
Und sie kommt weg, aber nicht von jetzt auf gleich. Hergestellte DFB-Produkte, auf denen der Begriff prangt, landen nicht im Müll. Und die fertigen WM-Trikots der Nationalspieler natürlich auch nicht.
Es sollte eine Lösung rechtzeitig vor Katar geben, Neuendorf hatte zuletzt bereits angekündigt, bis Ende Juli entscheiden zu wollen (“Ich bin kein Freund endloser Geschichten”). So kam es. “Die Mannschaft” ist jetzt ein Auslaufmodell.
Schon nach dem WM-Desaster 2018 war der Begriff auf den Prüfstand gekommen. “Das ist kein Label”, betonte Bierhoff damals, die DFB-Elf werde nun mal im Ausland häufig so bezeichnet. Analog zur “Equipe” bei Weltmeister Frankreich oder “La Squadra” von Europameister Italien. In der Mannschaft selbst war die Debatte laut Bundestrainer Hansi Flick übrigens “überhaupt kein Thema”.
Uli Schember ist Redakteur beim Sport-Informationsdienst (SID)
DFB benennt "Die Mannschaft" in "Die Frauschaft" um
Frank Behrendt
Der Marketing-Slogan für unsere Nationalkicker #DieMannschaft geht in den wohlverdienten Ruhestand. Jetzt wo auch die @DFB_Frauen bei der #WEURO2022 so viel Furore machen, ohnehin sinnvoll😉🤘 Vielleicht feiert ja „Schland“ ein Comeback😂 #Fussball #DFB
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Fast 50 % Marktanteil: Top-Quote für DFB-Frauen
Letzte Anmerkungen zum Frauenfußball
Von Alex Steudel
Achtung, das ist ein historischer Moment der Newsletter-Geschichte. Ich kündige hiermit an, einen Begriff aus meinem Wortschatz zu streichen und zum letzten Mal in meiner Kolumne zu benutzen.
Alle bereit? Das Wort ist: 
Frauenfußball.
Es ging damit los, dass mich kürzlich meine Freundin, die einen Text über die momentan stattfindende Fußball-EM überflog, fragte, warum dieses Wort darin vorkomme. Man sage ja auch nicht Männerfußball. Es handle es sich am Ende doch um denselben Sport, also Fußball. 
Ich habe reflexartig besserwissend geantwortet: Die Ergänzung des Begriffs erfüllt doch nur einen konkreten Zweck, sie erklärt einen Unterschied auf einfache Weise. Alle wissen jetzt, dass es um den Fußball geht, den Frauen spielen, und nicht um den Fußball, den Männer spielen.
Gegenfrage: Ist diese Differenzierung so wichtig?
Vorbilder auf vielen Ebenen
Im Verlauf der EM, bei der die deutschen Frauen jetzt aufgrund starker Leistungen im Finale stehen, habe ich viel darüber nachgedacht und mich gefragt: War das, was ich meiner Freundin sagte, richtig? Ist der Unterschied so bedeutend, dass er in das Wort gepackt werden muss, weil sonst alle davon ausgehen könnten, dass die Männer spielen?
Und fördere ich nicht mit dem Begriff “Frauenfußball” den Gedanken, dass ja “nur” die Frauen spielen?  
Mir fiel dann etwas ein: Wenn ich mich samstags immer mit den Worten “Ich gehe Fußball gucken” von meiner Freundin verabschiede, müsste ich meiner ursprünglichen Theorie zufolge konsequenterweise nicht dazusagen, welchen Fußball ich gucke? Bundesligafußball, Drittligafußball, Oberligafußball, U19-Fußball? Wäre ja auch nur eine Ergänzung und erklärt einen Unterschied auf einfache Weise. 
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Wieso sind also bei Männern diese Unterscheidungen egal, Hauptsache Fußball, aber sobald eine Frau den Rasen betritt, muss von Frauenfußball geschrieben werden? Verändert das Geschlecht des Konsumenten das Produkt? 
Trinken Männer abends in der Kneipe Bier, und Frauen trinken Frauenbier? 
Ich habe im Duden nachgesehen. Dort stieß ich auf drei Begriffe: “Männerfußball”, “Frauenfußball” – und, jetzt kommt’s: “Damenfußball”. 
Es wird besser. Hinter dem Begriff “Frauenfußball” steht im Duden: “Substantiv, maskulin”. 
Und hinter “Damenfußball” steht: “Bedeutung: Frauenfußball.”
Beim Googeln fand ich dieses Zitat: “Diese Betonung auf Fußball und Frauenfußball habe ich selbst sehr, sehr oft erfahren“, klagte vor einem Monat die EM-Teilnehmerin Almuth Schult aus Wolfsburg, wo Männer und Frauen in ersten Bundesligen spielen. „Warum heißt es nicht bei beiden einfach Bundesliga? Oder: Männer-Bundesliga und Frauen-Bundesliga? Warum muss das extra ausgewiesen werden? Das ist genau diese Abwertung, die man nicht braucht.”
Die Frau hat recht. Ich bin jedenfalls dabei. Nie mehr Frauenfußball. 
Und am Sonntag bin ich auch dabei: Ich schaue mir das EM-Finale im Fußball an.
Steudel-Kolumnen gibt’s auch als Buch – der Titel: “UND AM ENDE GEWINNEN IMMER DIE BAYERN”, 268 Seiten. Hier bestellen!
Zwei große Final-Rätsel
Heute im Fernsehen
20.45 Uhr, ZDF: DFB-Pokal, 1860 München - Borussia Dortmund
DFB-Pokal: BVB erwartet erste Nagelprobe
Einfach reinklicken!
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So sieht man die Pokal-Spiele live im Fernsehen
Samstag
20.30 Uhr, Sat.1: DFL Supercup, RB Leipzig - Bayern München
Sonntag
11 Uhr, SPORT1: Doppelpass
18 Uhr, ARD: Frauen-EM, Finale, England - Deutschland
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Alle mal herhören!
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Pit Gottschalk
Pit Gottschalk @pitgottschalk

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