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Hat die Bundesliga ein Trainerproblem?

Pit Gottschalk
Pit Gottschalk
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Nach der Saison ist vor der Saison: Der neue Kader muss geplant werden, und das geht am besten, wenn man einen Trainer hat, der seine Perspektive in die Überlegungen einbringen kann.
Jeder dritte Bundesligist hat keinen Trainer. Weder die Absteiger Greuther Fürth und Arminia Bielefeld noch Aufsteiger Schalke und Hertha. Ebenso sind jetzt Gladbach, Augsburg und Wolfsburg auf der Suche.
Gestern tröpfelte das nächste Gerücht in die Redaktion: Auch Sebastian Hoeneß steht bei TSG Hoffenheim angeblich infrage. Man ahnt schon: Wie im Vorjahr wird’s ein Hauen und Stechen um die neuen Trainer geben.
Fast ist man gewillt zu fragen: Wo sollen die alle herkommen? Und hat es sich wirklich gelohnt, dass man riesige Ablösen gezahlt hat? Die Gladbacher werden sagen: Bei Adi Hütter auf keinen Fall.
Man wird womöglich eher schauen, dass man Trainer holt, die keinen Job haben und deshalb zu haben sind. Lucien Favre fällt mir ein, Niko Kovac, Markus Gisdol. Die üblichen Verdächtigen halt. Wer noch?
Einen vercoachten Dienstag wünscht
Euer Pit Gottschalk

Hat die Bundesliga ein Trainerproblem?
Tobias Holtkamp über die Bundesliga-Trainer
Tobias Holtkamp über die Bundesliga-Trainer
Von Tobias Holtkamp
Deutschland hat herausragende Fußballtrainer, international geschätzt und bewundert. Jürgen Klopp zum Beispiel ist zur eigenen Marke geworden, weltweit bekannt, nicht nur als Denker und Lenker des FC Liverpool, sondern längst auch als Typ. Die Menschen lieben ihn.
Und die Bundesliga vermisst ihn!
Es ist bitter, dass die stärksten und erfolgreichsten deutschen Trainer, ob nun Klopp, der Ende des Monats zum vierten Mal in einem Champions League-Finale steht, oder der amtierende Champions League-Sieger Thomas Tuchel, dass diese Topleute und Vordenker des Fußballs nicht im und am deutschen Fußball arbeiten.
Und die Bundesliga besser machen.
Die Wahrheit ist natürlich: Sie sind der Bundesliga entwachsen. Deutschlands höchste Spielklasse ist für die Besten ihres Fachs nicht gut genug, sportlich wie wirtschaftlich. In der Bundesliga unterrichtet nicht ein Fußballlehrer, der schon mal einen Titel von höchster Güteklasse gewonnen hat.
Jogi Löw, Deutschlands Weltmeister-Trainer, genießt den Ruhestand. Hansi Flick, der Champions League-Sieger und Klub-Weltmeister von 2020, ist Bundestrainer. Julian Nagelsmann, der aktuelle Cheftrainer des Bundesliga-Aushängeschildes FC Bayern, hat in dieser Saison gerade seine erste Meisterschale gewonnen…
Die Bundesliga hat ein Trainer-Problem!
Das Sagen hat der VW-Boss
Als bei einem großen deutschen Traditionsverein vor kurzem über die zu besetzende Cheftrainer-Position diskutiert wurde, der Sportdirektor saß dafür im Büro eines Aufsichtsratsmitglieds, gingen sie, so wurde es kolportiert, eine Namensliste auf einem kleinen Zettel durch, gerade so, wie man es sich in einem Kreisliga-Vereinsheim vorstellt. „Wäre der einer?“ „Hm, was ist denn mit dem?“
Professionelles Führungskräfte-Recruiting, wie es für so eine Top-Position, für viele noch die wichtigste im sportlichen Bereich, vielleicht von Vorteil oder sogar notwendig wäre? Fehlanzeige.
Vielerorts entsteht der Eindruck, dass das eigene Ego den Entscheidern wichtiger erscheint, und vor allem die Frage, wer denn am Ende was zu entscheiden hat, als die beste Lösung für das Unternehmen, in dem Fall den Klub.
Das Chaos beim FC Augsburg sorgte selbst bei vielen Mitarbeitern nur für Kopfschütteln. Von Textnachrichten, die bloß nicht an die Öffentlichkeit sollen, bis zu bewussten Handlungen, um Kollegen zu schwächen, ist da die Rede. Trainer Markus Weinzierl gab seinen Abschied überraschend im TV bekannt, die Geschäftsführung wusste nicht Bescheid, und am Tag zuvor hatte auch schon der mächtige Präsident und FCA-Macher Klaus Hofmann seinen Rücktritt angekündigt. 
FC Augsburg: Zwei Rücktritte in 24 Stunden
Vor allem Manager Stefan Reuter soll für viele im Klub ein immer größeres Problem darstellen, seine Art der Führung sei “überhaupt nicht zeitgemäß”, Reuter berate sich, so wird erzählt, im Grunde vor allem mit sich selbst.
Auch Wolfsburg, Mönchengladbach, Schalke und Hertha tauschen jetzt im Sommer wieder den Cheftrainer. Vor einem Jahr waren es auch schon sieben Top-Klubs. Und gebracht hat’s nichts. Wolfsburg und Mönchengladbach sind abgestürzt, Frankfurt rettet das Europa League-Finale eine miese Bundesliga-Saison. Von Hertha müssen wir gar nicht reden.
Also, gut: Wenn du die besten Fußballlehrer schon nicht bekommen kannst, auch der hochgeschätzte Roger Schmidt hat sich gegen die Bundesliga (und für Benfica Lissabon) entschieden, dann setzt doch zumindest mal auf langfristige Entwicklung. Doch leider sind es oft genau die, die am lautesten rufen, nach stetem Fortschritt und Kontinuität, die es dann am wenigsten leben. Und immer wieder alles drehen.
“Austauschen, weil funktioniert nicht” - das ist ein schlimmes Armutszeugnis. Und schwächt die Bundesliga in jedem einzelnen Fall.
Heute im Fernsehen
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Alle mal herschauen!
Dann fliegt ihnen alles um die Ohren
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Pit Gottschalk
Pit Gottschalk @pitgottschalk

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