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Eintracht und Kostic: Irgendwann ist Schluss!

Pit Gottschalk
Pit Gottschalk
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Die Bezahlsender Sky und DAZN versuchen mit Kombi-Angeboten zu verschleiern, dass das Live-Erlebnis Bundesliga kommende Saison teurer sein wird als in der Vergangenheit. Gestern kündigte auch Amazon Prime an, dass die Preise anziehen: Das Topspiel der Champions League am Dienstag wird demnach kostspieliger. Die zu erwartende Reaktion im Publikum hat sich angedeutet und wird sich verschärfen: Wenn das Fußball-Abo nicht mehr erschwinglich ist, kündigt man.
Um nicht falsch verstanden zu werden: Die Preiserhöhung ist wirtschaftlich sogar nachvollziehbar und folgt dem gestiegenen Aufwand bei Einkauf (Medienrechte) und Produktion. Die Kehrseite ist: Wenn immer weniger Leute Fußball schauen, sinkt das Interesse am Fußball - das kann und darf nicht im Interesse der Bundesliga sein. Hierzulande lebt der Fußball davon, dass Millionen die Spiele gesehen haben und darüber leidenschaftlich diskutieren. Aber worüber will man reden, was man nicht sieht?
Die Bundesliga hat angekündigt, dass bei der neuen Rechtevergabe mehr Spiele im FreeTV ausgeschrieben werden. Das wäre: ab 2025/26 und damit viel zu spät. Die Frauen-EM hat’s doch bewiesen: Sobald die Masse live an einer sportlich großartigen und emotionalen Darbietung teilnehmen darf, wird sie von der Euphoriewelle erfasst. Genau das fehlt der Bundesliga der Männer: die Breitenwirkung über Sportschau und Doppelpass hinaus. Live-Fußball als letztes Lagerfeuer der Gesellschaft: Das vermisse ich zu oft.
Schlimmer noch: Manchmal weiß man nicht mehr, wann wo was gezeigt wird. Freitagspiele sind bei DAZN, aber das Eröffnungsspiel am Freitag bei Sat.1. Die Samstagspiele sind bei Sky, aber das Topspiel 2. Liga am Samstagabend live bei Sport1. Die Sonntagspiele: bei DAZN wie die Champions League unter der Woche. Aber halt, das Topspiel der Champions League findet dienstags live bei Amazon statt. So, jetzt mal die Augen schließen, kurz durchatmen und den Spielplan fehlerfrei wiederholen. Wer schafft’s?
Okay, ich setze noch einen drauf. Am Wochenende finden die Pokalspiele statt - aber nicht alle. Am Samstagabend spielen RB Leipzig und Bayern München den DFL Supercup aus. So, und jetzt auswendig: Wer überträgt das Spiel? Ich weiß es, logo, aber vermute: nicht jeder. Darum wünschte ich mir, die Deutsche Fußball-Liga (DFL) würde Digitalisierung wörtlich nehmen: ein Liga-Pass, ein Preis, einigermaßen erschwinglich - dann einschalten und Fußball schauen, unabhängig vom Ab-Sender, fertig.
Das ginge sofort und wäre fan-freundlich. Ist diese Idee zu verrückt?
Einen sendungsbewussten Mittwoch wünscht
Euer Pit Gottschalk
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Fall Kostic: Irgendwann ist Schluss
Christopher Michel über Filip Kostic
Christopher Michel über Filip Kostic
Von Christopher Michel
„Das ist eine ‚Never Ending Story‘“, stellte zuletzt sogar Sebastian Rode, Kapitän von Eintracht Frankfurt, nüchtern fest. Gemeint sind die Gerüchte rund um Filip Kostic.
Geht er? Bleibt der Star der Hessen? Verlängert er gar seinen 2023 auslaufenden Vertrag? In jeder Sommer-Transferperiode wird Kostic bei etlichen Vereinen gehandelt.
Das hat sich der 29-Jährige auch redlich verdient. Kostic ist Zugpferd bei der Eintracht, er wurde nicht umsonst zum besten Spieler der letztjährigen Europa-League-Saison gewählt. Die Eintracht hat ihn nie bedrängt, ihm auch nach seinem Wechsel-Streik, als der Deal mit Lazio Rom platzte, sofort eine zweite Chance gelassen. 
Das war richtig und wichtig. Die Fans lieben Filip Kostic. Sie haben ihm rasch verziehen, mit einer Vertragsverlängerung könnte er sich daher zur Frankfurter Legende aufschwingen. Bei aller Wertschätzung für einen so wichtigen Spieler, ist dennoch irgendwann Schluss mit der Unruhe!
Nächstes Angebot eingegangen
Die Frankfurter haben ihm attraktive Angebote zur Erweiterung des Kontrakts auf den Tisch gelegt und inzwischen monatelang Zeit gegeben, sich mit seiner Zukunft zu befassen. Erst Juventus Turin, nun die Gespräche mit West Ham United – und als nächstes, wenn das nicht klappt? Dann geht die Unruhe, die irgendwann auch die Mannschaft belastet, weiter.
Sportvorstand Markus Krösche will zwar keine „Deadline“ setzen. Doch bis zum letzten Tag der Transferperiode am 1. September warten? Das kann sich die Eintracht, deren Erfolgsrezept die mannschaftliche Geschlossenheit ist, nach dann sechs Pflichtspielen nicht mehr erlauben.
Kostic ist die prägende Figur im System mit Dreierkette und Schienenspielern. Seine Flanken und Flügelläufe machen oftmals den Unterschied aus. Nach vier tollen Jahren stehen 96 Scorerpunkte in 169 Pflichtspielen auf dessen Eintracht-Konto.
Trainer Oliver Glasner hat das Spiel der Frankfurter zwar angepasst, deutlich flexibler und variabler gestaltet. Doch vor allem in diesem Jahr, in dem sich die Hessen mit Randal Kolo Muani, Lucas Alario und Mario Götze offensiv hochwertig verstärkt haben, käme die Power von Kostic noch besser zur Geltung. Er hätte Abnehmer für seine herausragenden Hereingaben im Strafraum.
Die Eintracht und ein Schritt nach vorne
Krösche steckt dabei in einer Zwickmühle. Einerseits wäre es wirtschaftlich äußerst schmerzhaft, wenn ein Profi der Kategorie Kostic ablösefrei wechseln würde. Die Eintracht muss trotz Europa-League-Erfolgs weiterhin Überschüsse erzielen, die Corona-Pandemie hat den finanziellen Aufschwung arg gebremst. Doch ohne Kostic wäre das Erreichen der sportlichen Ziele deutlich schwerer erreichbar. Ein Teil des Geldes müsste in Ersatz, der sofort funktioniert, investiert werden.
Von den für Kostic erhofften 15 bis 20 Millionen Euro blieben in diesem Fall nur wenige Euro übrig, ein Abbau der Schulden könnte die Eintracht so kaum vorantreiben. Dafür hätte Glasner möglicherweise kurz vor dem Start der ersten Frankfurter Champions-League-Saison eine gewaltige Baustelle zu schließen.
Das wäre sehr riskant! Deshalb gilt: Krösche sollte die Tür nicht ewig geöffnet lassen. Denn ein Schlüssel für Punkte, Tore und Vorlagen, wie Kostic einer ist, garantiert sportlichen Erfolg und Prämien, die durch die im Raum schwebende Ablösesumme kaum aufzufangen sind. Die Geduld der Eintracht, sie sollte nicht unendlich sein.
++ Frauen-EM aktuell ++
4:0! Engländerinnen erreichen ihr Wembley-Finale
Günter Klein
Bei mir läuft der Fernseher mit England - Schweden. Doch ich sitze in einem anderen Zimmer. Muss den Bildschirm nicht sehen, mir genügt es, die samtene Stimme des @bscontent zu hören.
EM-Turnier in England bricht reihenweise Rekorde
Heute im Fernsehen
Einfach reinklicken!
Einfach reinklicken!
21 Uhr, ZDF: Frauen-EM, Halbfinale, Deutschland - Frankreich
Alles für Wembley
England wartet auf Deutschland im EM-Finale
Von Jana Lange und Jonas Wagner
Ihr Traumziel Wembley konnten die deutschen Fußballerinnen schon beim Umzug für den Halbfinal-Showdown gegen Frankreich aus dem Busfenster erspähen - eine allerdings fehlte: Klara Bühl. Die 21 Jahre alte Offensivspielerin von Bayern München wurde positiv auf das Coronavirus getestet und fällt am Mittwoch gegen Les Bleues aus.
Klara Bühl kann ihre Kolleginnen nur bei Instagram motivieren: “Positiv und trotzdem positiv!”, schrieb sie aus der Isolation: “Mein Team wird das Stadion zum Feiern bringen!” Die gute Nachricht: Der Rest der Mannschaft und des Betreuerstabs blieb bei weiteren Tests negativ. Die letzte Ausfahrt vor dem EM-Endspiel hat es nun zusätzlich in sich.
Bühl, zweiter Coronafall nach Lea Schüller, war im Turnierverlauf eine Leistungsträgerin. Sie wird wohl durch Jule Brand (VfL Wolfsburg) ersetzt. Die märchenhafte Reise der DFB-Frauen soll dennoch weitergehen bis zum Höhepunkt im legendären Fußball-Tempel Wembley vor fast 90.000 Fans.
“Wir sehen das als nächste Herausforderung an und wollen auch im Turnier bleiben, um Klara Freude zu bereiten. Das wird die Mannschaft noch enger zusammenschweißen”, sagte Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg vor dem Duell in Milton Keynes. “Wir sind bereit, aber es wird Mentalität brauchen und es wird wehtun.”
Deutschland und Frankreich im Vergleich
Erstmals seit Olympiagold 2016 kämpft der achtmalige Europameister wieder um den Einzug ins Endspiel eines großen Turniers. Im MK Stadium werden DFB-Präsident Bernd Neuendorf und DFB-Geschäftsführer Oliver Bierhoff auf der Tribüne mitfiebern.
“So nah waren wir seit vielen Jahren nicht mehr dran”, sagte Rechtsverteidigerin Giulia Gwinn: “Der Traum lebt in uns als Mannschaft. Deswegen ist da pure Vorfreude auf das Halbfinale und alles, was danach kommt.”
Das Minimalziel ist sogar ohne ein einziges Gegentor erreicht, der Druck weg - entsprechend befreit kann und will das DFB-Team aufspielen. “Das Viertelfinale war der Knackpunkt”, sagte Co-Trainerin Britta Carlson: “Jetzt können wir es einfach genießen. Klar hast du den Druck, du möchtest den nächsten Step machen, aber mit noch mehr Lächeln im Gesicht.”
Und mit zwei Tagen mehr Erholung als der Gegner. Die “verwundbaren” Französinnen (Voss-Tecklenburg) mussten im mühsamen Viertelfinale gegen den Titelverteidiger aus den Niederlanden (1:0) sogar über 120 Minuten gehen.
"Es hat jede richtig Bock zu verteidigen"
Damit der Traum vom neunten EM-Triumph am Leben bleibt, bringt Sara Däbritz ihr Insiderwissen ein. Nach drei Jahren bei Paris St. Germain geht es für die 27-Jährige nach der EM beim Champions-League-Sieger Olympique Lyon weiter. Die beiden Topklubs stellen das Gros des französischen Kaders. 
“Ich kann ihnen allen versichern, dass wir bei dem Spiel 1000 Prozent geben wollen und werden”, gab Däbritz angriffslustig zu Protokoll. Ihre künftige Teamkollegin Wendie Renard ist das Gesicht des gefühlt ewigen Geheimfavoriten, der erstmals im EM-Halbfinale steht und nach dem ersten großen Titel bei den Frauen lechzt. 
Die 1,87 Meter große Kapitänin und Abwehrchefin der Französinnen sorgt bei Standards für Torgefahr, hier muss wohl insbesondere Alexandra Popp gegenhalten. “Ich bin auch recht überzeugt von meinem eigenen Kopfballspiel. Es gab schon die einen oder anderen Duelle, die ich gegen sie gewonnen habe”, sagte die DFB-Spielführerin, die in den bisherigen vier EM-Spielen jeweils ein Tor erzielt hat, der Bild-Zeitung.
Auch wenn das letzte Länderspiel im Juni 2021 0:1 verloren ging - die Bilanz spricht klar für Deutschland. In bisher 20 Duellen holte der zweimalige Weltmeister elf Siege bei fünf Niederlagen. In bislang vier Begegnungen bei großen Turnieren setzte sich stets die DFB-Auswahl durch.
Jana Lange und Jonas Wagner sind Redakteur beim SID.
Weil Frauen zu wenig spucken: EM-Rasen trocknet aus
Die Alte Dame ist wenig verlockend
Das ist der Plan mit Kevin-Prince Boateng
Von Alex Steudel
Als ich gestern die Dauerkartenverkaufszahlen der ersten Liga durchgesehen habe, bin ich erschrocken: Hertha BSC steht auf dem letzten Platz. 7924 Saisontickets hat der amtierende Relegationsmeister verkauft. Zwar gaben drei Vereine (Augsburg, Wolfsburg, FC Bayern) ihre Zahlen nicht heraus, angesichts von Werten wie 55.000 (BVB) und 40.000 (Schalke 04) mutet “7924” trotzdem recht homöopathisch an. Niemand will zur Alten Dame.
Obwohl: Nach zwei Jahren sportlicher Talfahrt kaufen 7924 Berliner tatsächlich eine Dauerkarte? Respekt.
In Berlin gibt’s angeblich die meisten SM-Klubs in Deutschland. Nur mal so. Aber das hat natürlich mit der großen Einwohnerzahl der Hauptstadt zu tun. Andererseits haben die Besucherzahlen der Hertha gar nichts mit der großen Einwohnerzahl der Hauptstadt zu tun. Heimspiele sind seltener ausverkauft als Äpfel bei Edeka, was mit den dargebotenen Leistungen der Spieler und der Führungsriege zu tun hat – oder, wie Sportchef Fredi Bobic kürzlich sagte: mit “unnötigem Trubel”.
Ich bin deshalb nicht so optimistisch, wie es mindestens 7924 Berliner offenbar sind. (Es sei denn, Bobic und Investor Lars Windhorst haben alle Tickets selbst gekauft.)
Ich frage mich übrigens, ob der Bezug einer Hertha-Dauerkarte inzwischen als Außergewöhnliche Belastung oder Spende in die Steuererklärung aufgenommen darf. Weiß das hier jemand? Ich fände das nur fair, denn “vergnügungssteuerpflichtig” (wir erinnern uns: Karl-Heinz Rummenigges Lieblingswort) ist das Ganze sicher nicht, das war so und wird so bleiben, das behaupte ich mal, ohne eine größere Prophetenausbildung genossen zu haben: Hertha BSC erreicht auch 2023 kein Ziel, falls das Ziel nicht Platz 14 oder so lautet.
Der erste Sportwettenanbieter, den ich gegoogelt habe, prognostiziert dem Big City Club jedenfalls genau Platz 15, also immerhin den Nicht-Abstieg.
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Diese Kolumne wird bisher getragen von Ungerechtigkeit, Bauchgefühl und Emotion, ich weiß. Natürlich sieht auf dem Papier alles anders aus.
Dachte ich zumindest, bis ich nachsah: Der Hertha-Kader hat einen Gesamtmarktwert von 125 Millionen Euro, das ist Mittelfeld, dafür kriegst du gerade mal de Ligt plus Mané plus Gravenberch. Bobic hat bisher tonnenweise Leihspieler zurückbeordert, viele Profis verkauft und die Mannschaft für zwei Millionen Euro um sechs Mann verstärkt, deren Namen ich noch nie gehört habe.
Die Hertha hat einen neuen Präsidenten, der Turnjacke trägt, mal Ultra war und Pyrotechnik super findet. Der Investor ist “Finanzjongleur” (Berliner Kurier). Und der Trainer: Sandro Schwarz. Er hat bei seinem letzten Bundesliga-Engagement dem FSV Mainz das zweitschlechteste Ergebnis in 13 Jahren Bundesliga beschert und dann den Klub auf Platz 16 nicht ganz besenrein seinen Nachfolgern übergeben.
Optimismus auslösen klingt anders. Hertha ist, als würdest du vom Lotto-Jackpot träumen und auf deinem Spielschein nur 5 Zahlen ankreuzen.
Aber, wer weiß, vielleicht täusche ich mich auch. Vielleicht wird alles ganz anders, und ich kriege am Saisonende 7924 Siehste-mal-Mails. Die Bundesliga ist schließlich immer dann am besten, wenn passiert, was keiner erwartet.
Außerdem gibt es ja noch Felix Magath.
Steudel-Kolumnen gibt’s auch als Buch – der Titel: “UND AM ENDE GEWINNEN IMMER DIE BAYERN”, 268 Seiten. Hier bestellen!
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Pit Gottschalk @pitgottschalk

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