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Aufbau Ost bei Union Berlin und RB Leipzig

Pit Gottschalk
Pit Gottschalk
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
In der ersten und zweiten Bundesliga gibt es bei 36 Mannschaften nur eine, die ungeschlagen ist: 1. FC Union Berlin, jetzt Spitzenreiter mit fünf Punkten Vorsprung auf Rekordmeister Bayern München.
Saisonübergreifend sind “die Köpenicker”, wie Union gerne genannt wird, sogar seit 14 Bundesliga-Spielen unbesiegt. Man kann also nicht behaupten, die Tabellenführung sei das Resultat glücklicher Fügungen.
Man muss ja nur die Union-Platzierungen in der Bundesliga seit dem Aufstieg 2019 betrachten. Platz 11, Platz 7 und zuletzt Platz 5: Der Trend zeigt nach oben. Ein Platz am Ende zwischen 1 und 4 wirkt da logisch.
Trotzdem fehlen in der bundesweiten Presselandschaft die Huldigungen und Erklärungen, wie eine Mannschaft mit 90 Mio. Euro Marktwert das gesamte Establishment der Bundesliga aus den Angeln hebt.
Ich selbst fragte vor ein paar Tagen hier im Fever Pit'ch Newsletter, als Union Berlin Tabellenzweiter wurde, etwas ketzerisch: “Nur eine Momentaufnahme?”
Nimmt man Union Berlin womöglich nicht ernst? Das wäre fahrlässig. Schon Christoph Biermann hat die Besonderheiten dieses ungewöhnlichen Vereins in seinem hochgelobten Reportagebuch* 2020 herausgearbeitet.
Unterm Strich fallen einem recht viele Attribute ein, mit denen man Union beschreiben könnte: bodenständig, zäh, authentisch, angriffslustig, unbeirrbar, beharrlich, aufstrebend.
Kürzlich, noch vor dem Bayern-Spiel, das 1:1 endete (damals eine große Überraschung), erklärte uns Union-Blogger Sebastian Fiebrig im Fever Pit'ch Podcast die Realitätsnähe um Sportchef Oliver Ruhnert.
In solchen Momenten hat man sogar den Eindruck, dass denen in der Alten Försterei völlig gleichgültig ist, ob man sie sympathisch findet oder nicht - sie machen ihr Ding. Und das macht sie sympathisch.
Der Bundesliga kann nichts Besseres passieren.
Einen forstlichen Dienstag wünscht
Euer Pit Gottschalk
  • Wir werden ewig leben - Mein unglaubliches Jahr mit dem 1. FC Union Berlin”, Christoph Biermann, Verlag KiWi

Aufbau Ost
Eberl-Deal perfekt: Mitte Dezember zu RB Leipzig
Von Pit Gottschalk
Wenn man bei Google etwas tiefer sucht, findet man schnell Zitate, die Max Eberl heute in keinem guten Licht dastehen lassen. Als Gladbacher Manager hat er mehrfach und ausführlich die Praktiken angeprangert, die RB Leipzig zu dem machen, was Fans ein “Konstrukt” nennen.
Da waren zum Beispiel die permanenten Spielerwechsel von der einen Redbull-Filiale in Salzburg zum Redbull-Standort in Leipzig, die Eberl störten. Er fühlte sich als Konkurrent übervorteilt: “Das hat für mich einen faden Beigeschmack, weil sie im Grunde zwei Kader haben.”
Oder die Ausgabenpolitik bei RB Leipzig. Red Bull verlieh halt Flügel. Eberl sagte: “Das zeigt ja schon ein einfacher Blick auf das Transferdefizit der vergangenen vier Jahre: RB gab, wie man hören konnte, etwa 150 Millionen Euro für Spieler aus und nahm im Gegenzug kaum etwas ein.”
Das Portal T-Online listete die damaligen Eberl-Aussagen wortwörtlich und mit Quellenangaben auf, nachdem gestern der Wechsel von Eberl zu RB Leipzig als perfekt vermeldet worden war, und trifft damit einen wunden Punkt: Was will Max Eberl eigentlich bei RB Leipzig?
Der Journalist Günter Klein wagte umgehend eine düstere Prognose:
Günter Klein
Max Eberl wird Leipzig nicht sympathischer machen.
Leipzig wird Max Eberl unsympathischer machen.
Ist es anmaßend, Max Eberl für seinen Jobwechsel zu kritisieren? Ganz sicher in der Form, wie es das Fanprojekt bei Borussia Mönchengladbach kürzlich getan hat, als es persönliche Attacken gegen Eberl ritt und ihm, versteckt oder nicht, Heuchelei vorwarf.
Wer Zweifel daran hat, dass Max Eberl krank war und echte Tränen weinte, als er in Jener Pressekonferenz zu Jahresbeginn seinen Burnout erklärte, verlässt den gemeinsamen Boden für einen aufrichtigen Diskurs. Auch Fußballmanager erleben persönliche Krisenmomente. Er hat einen gezeigt.
Die Abkehr von widerwärtigen Vorwürfen heißt aber nicht, dass man nicht bei einem Manager wie bei Trainern und Spielern einen Vereinswechsel hinterfragen darf und sollte. Die Ablöse, höchstwahrscheinlich weit über den kolportierten 2,5 Mio. Euro, verlangt ein Nachhaken.
Man muss die Frage stellen dürfen: Was bietet RB Leipzig, was Max Eberl nicht schon in Mönchengladbach hatte? Zunächst: einen Tapetenwechsel. Das ist ein Argument, das man bei einem Menschen, der sich überlastet fühlt, nicht unterschätzen sollte.
In Gladbach war Max Eberl, wie man in der Managersprache gerne sagt, auserzählt. Mehr als die Qualifikation zur Champions League war nicht zu holen, und sobald eine Leistungsdelle die Nerven ohnehin strapazierte, reagierte das Publikum im Borussenpark nicht eben zimperlich.
Er ist RB Leipzig Millionen wert
Da hat RB Leipzig sein Publikum, man muss es so sagen, besser im Griff. Aus der Sicht eines Traditionsvereins mag man Entstehung und Führung eines Vereins ohne Mitglieder (ausdrücklich: aus gutem Grund) kritisieren. Aus Sicht eines Managers stellt sich die Situation anders dar.
Max Eberl wird sich bei RB Leipzig auf sein Kerngeschäft konzentrieren können: auf das Suchen und Finden von Talenten und Leistungsträgern, auf die gemeinsame Kaderplanung mit dem Trainerstab, auf das Austarieren der wirtschaftlichen Konsequenzen.
Ihm kann es gleichgültig sein, wie der Rest der Republik darüber denkt. Leipzig wird ihm eine Oase errichten, wie man es schon bei seinem Vor-Vorgänger Ralf Rangnick getan hat, der hier ebenfalls nach überstandener Schwächephase eine neue Heimat gefunden hat.
Man könnte Max Eberl für diesen Schritt jetzt kritisieren. Man könnte aber auch zu dem Schluss kommen: Alles richtig gemacht, Max Eberl! Bis zum Dienstbeginn Mitte Dezember darf er sich gedanklich darauf vorbereiten. Vorher verbietet sich jede anmaßende Besserwisserei von außen.
Perspektivwechsel
"Max Eberl macht sich unglaubwürdig"
FCBlogin
Viel Glück und Erfolg, Max #Eberl und Marco #Rose, endlich gibt es im Osten wieder einen ernstzunehmenden Konkurrenten.

#RBL https://t.co/kqyweg28LB
VfL Wolfsburg erwartet ein heißer Herbst
Wird Jörg Schmadtke zur Lame Duck?
Von Tobias Holtkamp
Wo der Manager Jörg Schmadtke in den letzten Jahren auch arbeitete, er brachte den Erfolg. Hannover und Köln führte er von weit unten bis in den Europapokal. Auch in Wolfsburg, wo er seit 2018 als Geschäftsführer Sport die Fäden zieht, ging es immer bergauf. Jetzt ist das Gegenteil der Fall.
Ende Januar hat Schmadtke seinen letzten Arbeitstag und hinterlässt den VfL Wolfsburg sportlich in keinem guten Zustand. Der aufwendig zusammen gestellte Kader funktioniert nicht. In die Länderspielpause geht der VfL auf einem direkten Abstiegsplatz (17.). 
Mehrere wichtige Personalfragen wurden zuletzt, freundlich formuliert, unglücklich entschieden. Für die Champions League-Saison holte Schmadtke im Sommer 2021 Mark van Bommel als neuen Cheftrainer. Dessen Ansatz hatte aber nicht mehr viel mit der erfolgreichen Ausrichtung seines Vorgängers Oliver Glasner (starkes Offensivpressing, direktes Umschalten, hohes Tempo) zu tun. Die Mannschaft wirkte im Oktober komplett durcheinander und verunsichert, nach acht Spielen ohne Sieg zog Schmadtke die Reißleine.
Florian Kohfeldt übernahm und versuchte das Durcheinander im laufenden Wettbewerb zu sortieren. Langsam stabilisierte sich der VfL und landete am Ende im gesicherten Mittelfeld.
Dennoch holten sie den nächsten Cheftrainer. Kohfeldt, die letzten vier Saisonspiele ohne Niederlage (zwei Siege, zwei Unentschieden), musste für viele in der Branche überraschend seine Sachen packen. Für ihn kam Niko Kovac. Vertrag bis 2025.
Noch ist September, aber der VW-Klub steht deutlich schlechter da als zum Zeitpunkt der Trennung von van Bommel.
Dabei, und das verwundert viele beim VfL, liegt der Fokus in dieser Saison ja komplett auf der Bundesliga. Es gibt keine Champions League, keine großen Flutlichtnächte dienstags oder mittwochs, die die letzte Konzentration im Liga-Alltag vielleicht mal vermissen lassen könnten.
Trainer Kovac zählt seine Profis an
Niko Kovac, und das beschäftigt die VfL-Verantwortlichen aktuell sehr, bekommt die großen fußballerischen Fähigkeiten des Kaders nicht auf den Platz. Ob es an ihm liegt oder daran, dass einige Spieler die aktuelle Saison - hinsichtlich größerer, für sie interessante Ziele - bereits im Hinterkopf als gelaufen abstempeln, das müssen die Verantwortlichen jetzt sehr schnell klären.
Schmadtke, da sind sich auf der Geschäftsstelle des VfL viele einig, wird „Wunschlösung“ Kovac nicht entlassen. Er glaubt voll an die Fähigkeiten des Kroaten, stärkte ihn zuletzt im Fall Max Kruse, indem er die Entscheidung, Kruse dauerhaft auszobooten, uneingeschränkt unterstützte. Dabei hatte Schmadtke Kruse zu Beginn des Jahres für viel Geld und mit voller Überzeugung nach Wolfsburg geholt.
Geht es beim VfL nicht schnell nach vorne, wird das Thema Kovac, so erwarten sie es in Wolfsburg, auch ein Thema Schmadtke. Dass der mächtige Macher bald raus ist, kann ihn intern zu einer “lame duck” machen. Einer Person, der zwar noch im Amt ist, aber aufgrund ihres baldigen Ausscheidens eigentlich nicht mehr entscheidet. Gerade in Krisenzeiten ein schwieriger Zustand.
Gegen Stuttgart (1.10) und Augsburg (8.10.) sind zwei Siege eigentlich Pflicht, sonst wird der Wolfsburger Herbst mehr als ungemütlich. Und mit großer Wahrscheinlichkeit die gesamte Saison.
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Pit Gottschalk @pitgottschalk

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