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Von Pit Gottschalk

3:2! Liverpool zeigt Bayern, wie's geht

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Pit Gottschalk
Pit Gottschalk
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Bayern München bietet die wohl größte Baustelle im deutschen Fußball, obwohl der Rekordmeister in den vergangenen zehn Jahren die Liga dominiert, zweimal die Champions League gewonnen und fünfmal den DFB-Pokal geholt hat. Das Problem liegt nicht in der Kaderplanung; die muss ja jeder Verein irgendwie und beizeiten bewerkstelligen.
Es sind die Ansprüche: Es reicht nämlich nicht, dass Bayern München die besten Spieler in ganz Deutschland einsammelt und integriert. Sie müssen auch so gut sein, dass Trainer und Klubführung international auf der Sonnenseite stehen. Nicht Borussia Dortmund ist der Maßstab - an FC Liverpool und Manchester City müssen die Bayern vorbei.
Und das, obwohl Bayern selbst erlebt, was 17 andere Bundesliga-Vereine Jahr für Jahr auf nationaler Ebene erfahren: dass es den einen Klub gibt, der im Zweifelsfall einen geldwerten Vorteil bei Transferverhandlungen aufweist. Bayern kann mit den Klubs aus der Premier League nicht mithalten. Nutzt nur nix. Man drosselt die Ansprüche trotzdem nicht.
Wenn Thomas Müller also gestern seinen Vertrag bis 2024 verlängert und nach ihm Manuel Neuer und vielleicht Robert Lewandowski, erkauft sich Bayern keinen Qualitätssprung, sondern allenfalls Zeit, den überfälligen Generationswechsel zu vollziehen. Die drei genannten Spieler sind schon 32, 36 und 33 Jahre alt. Und spielen nicht ewig.
Die Bayern kennen das schon. Auch bei Arjen Robben und Franck Ribery zögerten sie das Unvermeidliche möglichst lange hinaus, bis Kingsley Coman und Serge Gnabry sowie später Leroy Sané die Schlüsselpositionen auf den Flügeln rückstandslos einnehmen konnten. Wo sind aber jetzt die Nachfolger von Müller, Neuer und Lewy?
Die zwei Champions-League-Siege 2013 und 2020 sind der Beweis einer großen Vergangenheit. In der Gegenwart reichen die Leistungen nicht über das Viertelfinale der Königsklasse hinaus. So wie es andere Bundesliga-Vereine sich mit bescheidenen Mitteln behaupten müssen, braucht auch Bayern kluge Ideen statt dicke Konten.
Auch Liverpool kam gestern Abend ins Straucheln, als Villarreal die zwei Tore Rückstand aus dem Hinspiel innerhalb einer Halbzeit im Rückspiel egalisierte. Dann aber drehte Liverpool auf, erzielte drei Treffer und kam letztlich mühelos weiter. So eine Reaktion hätte man auch eine Runde zuvor von Bayern gegen Villarreal erwartet. Die kam aber nicht.
Die Arbeit von Sportvorstand Salihamidzic und dessen Chef Oliver Kahn wird auch daran gemessen, dass sie endlich eine Lösung präsentieren, die zumindest ein Versprechen auf eine ebenso erfolgreiche Zukunft abgibt. Bisher ist davon wenig zu sehen. Ein starkes Mittelfeld um Joshua Kimmich und Leon Goretzka reicht international jedenfalls nicht.
Einen volkstümlichen Mittwoch wünscht
Euer Pit Gottschalk

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Warum ich mich über die Freiburger ärgere
Deutscher Fußball fürs Herz
Von Alex Steudel
Ich gestehe. Ich bin Kickers-Fan, habe aber in meinem ganzen Leben nur einen einzigen Fan-Schal besessen, und der war ausgerechnet rot und weiß. Ich mochte ihn trotzdem sehr. Meine Oma in Griechenland hatte ihn mir gestrickt.
Das war 1977, und wenn mir damals jemand gesagt hätte, dass Fußballschals 45 Jahre später zu einem Politikum werden würden, hätte ich mich gewundert. Ist doch nur Fußball und ein Schal, oder, hätte ich gesagt, wenn ich gewusst hätte, was ein Politikum ist.
Ich weiß noch, wie ich mich freute, als der VfB-Schal ankam. Er war wie gewünscht, also quer rot und weiß, außerdem irre 2,40 Meter lang und grobmaschig; ein Hipsterschal, würde man heute sagen.
Mit ihm machte ich meine ersten Schritte als Stadionbesucher. Es waren schwierige Schritte, denn selbst wenn ich ihn mir dreimal um den Hals wickelte, deshalb kaum Luft kriegte und Schweißausbrüche bekam (den Schweiß wischte ich mit dem VfB-Halstuch an meinem linken Handgelenk ab), trat ich dauernd aufs Gestrickte, das über den Boden schliff, und drohte hinzufallen.
Dieser Schal steht für meine Anfänge als Fußballfan. Ich trug ihn, weil der VfB im Sommer aufgestiegen und durchgestartet war. Es gab kein anderes Thema in der Stadt, man war VfB-Fan; vor allem, wenn man wie ich zwei Kilometer Luftlinie vom Neckarstadion entfernt, in Untertürkheim aufs Gymnasium ging und noch nie von den Kickers in Degerloch gehört hatte.
Einmal nahm ich ihn im Winter sogar stolz in die Schule mit, und es wurde viel gelacht, leider.
Mein erstes Spiel: Stuttgart besiegt Frankfurt vor 68.000 Zuschauern. D-Block. 2:1 nach 0:1-Rückstand. Zweimal Hermann Ohlicher. Ich: glücklich, heiser. Mein Schal: nassgeschwitzt.
So. Warum ich das alles schreibe? Weil ich glaube, dass ein Fußballschal etwas ganz Besonderes ist. Etwas Heiliges fast. Er speichert Erinnerungen. Memories, würde Schweini näseln. Er verbindet auch. Ein Schal gehört zum Fußball wie der Geruch des Rasens und der Bratwurst.
Mit dem Schal macht man keine Spielchen.
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Ich war enttäuscht, als ich las, dass sich der SC Freiburg weigert, mit RB Leipzig einen sogenannten Begegnungsschal zum DFB-Pokalfinale herauszubringen, wie das üblich ist. Einen Schal, der beide Seiten zeigt, die Klubs quasi zusammenführt: Wir sind Feinde auf dem Platz, aber wir lieben doch alle den Fußball, das wäre die Botschaft gewesen.
Ausgerechnet Freiburg, das für Weltoffenheit und Solidarität und enges Miteinander steht, tut das nicht. Und deshalb reden jetzt alle statt von Zusammengehörigkeit von einem “Pokalfinalschal-Eklat”, und das Netz geifert.
Von hasserfüllten Union-Fans, die das erste Erstligaspiel ihrer Geschichte boykottierten, weil sie ja jetzt mit den ungeliebten Leipzigern in einer Liga spielten, hätte ich nichts anderes erwartet. Oder von den Dortmundern, die Leipzig auch gern als “Konstrukt” beschimpfen, weil sie sich dann ein paar Sekunden lang nicht mit ihrem eigenen Konstrukt (namens: Kader) auseinandersetzen müssen.
Aber Freiburg?
Viele Menschen stören sich daran, dass hinter Rasenballsport Leipzig die Marketingmaschine Red Bull steht, und dass der Verein nur ein Alibi mit einer Handvoll Mitgliedern ist.
Okay, das kann man so kritisch sehen. Ich finde es auch schräg. Und natürlich darf der Verein SC Freiburg frei entscheiden, mit wem er seine Begegnungsschals rausbringt und mit wem eher nicht.
Aber ist die Sache wirklich zu Ende gedacht? Wohl kaum. Ich bin sicher, die Freiburger Bosse hassen RB Leipzig nicht. Aber sie schüren den Hass.
Dieser immer größere Hass auf alles im Fußball, das nicht erzkonservativ ist, diese Ausgrenzung des Neuen macht mir Angst. Wir reden über Fußball. Unterhaltung. Hobby.
Einige Menschen, die Ultras vor allem, machen einen reaktionären Lebenskampf draus. Sie basteln an einem Traditionskonstrukt.
Wenn das meine Oma jetzt lesen könnte, würde sie lächeln und sagen: Weißt du was, ich stricke dir deinen Begegnungsschal! Oma verstand mehr von Fußball als mancher Traditionalist, dabei hatte sie nie ein Spiel gesehen.
Steudel-Kolumnen gibt’s auch als Buch – der Titel: “UND AM ENDE GEWINNEN IMMER DIE BAYERN”, 268 Seiten. Hier bestellen!
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Pit Gottschalk @pitgottschalk

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